Subotron pro gamesMit großer Vorfreude hatte ich bereits den gestrigen Abend herbeigesehnt. Nein, nicht weil Michael Niavarani im Fernsehen zu sehen war, sondern es wieder eine Veranstaltung der SUBOTRON pro games gegeben hat.

Diesen Donnerstag stellte sich der Spieleentwickler Sproing vor. Vortragender war der Co-Founder und CEO Harald Riegler. Bei Sproing handelt es sich um das größte Studio der österreichischen Branche. Der aktuellste Titel von Sproing ist das Free2Play-Spiel „Skyrama“, von dem ihr vielleicht schon gehört habt. Das von Bigpoint gepublishte Browsergame weist derzeit eine Anzahl von ca. drei Millionen Spielern auf. Davor war man eher als Konsolenspiel-Entwickler (z.B. „Schlag den Raab“) bekannt.

Wie es dazu kam, dass man jetzt ein F2P-Entwickler ist und wie so ein Studio in den österreichischen Gefilden überhaupt entstanden ist, möchte ich euch nun in meiner Zusammenfassung des Vortrags erläutern.

Der Vortrag wurde von Harald Riegler auf einer etwas lockeren und persönlichen Art präsentiert. Dennoch hatte die Präsentation ihren roten Faden und die Folien unterstützen den Vortragenden lediglich, sodass man sich ganz und gar auf das Erzählte konzentrieren konnte. Meiner Meinung nach sind das die besten Präsentationen, zumindest für diese Branche :)
Subotron pro games - Sproing
Die Geschichte um Sproing beginnt bei zwei Freelancern, die auf ihr Studium verzichtet haben, um sich voll und ganz auf ihre Tätigkeit konzentrieren zu können. So entwickelten sie kleine Spiele für diverse Unternehmen bis eines Tages der Auftrag kam, innerhalb von sechs Wochen Moorhuhn auf die Konsole zu portieren. Zwar mussten sie Tag und Nacht durcharbeiten, aber sie schafften es letztendlich zum Termin und machten sich dadurch einen Namen in der Branche.

Während die beiden folglich weitere Moorhuhn-Spiele entwickelten, gründete man das Unternehmen Sproing. Leider erhielt man den Ruf, nun einmal ein Moorhuhn-Spieleentwickler zu sein und mehr nicht. Allerdings wollten das Studio mehr erreichen, was ihnen zum Glück auch gelang.

So entwickelte man im Laufe der Zeit viele interessante Konsolenspiele. Dazu zählen unter anderem „Schlag den Raab“, „Cursed Mountain“ und „Panzer Tactics DS“, welches zum deutschen Entwicklerpreis verhalf. Das bei uns eher wenig bekannte „Dangerous Hunts 2011“ war in Amerika ein Millionenerfolg.

„Jagged“ war ebenfalls so ein Projekt. Mit der Motorrad-Action-Kombination hätte man für den damaligen Publisher Jowood den besten Konsolenerfolg einfahren können. Dieser befand sich jedoch (wieder einmal) in einem Insolvenz-Verfahren, weshalb sich Sproing nach einem anderen Publisher umsehen musste. In Empire Interactive, die es inzwischen nicht mehr gibt, fand man zum Glück einen solchen.

Allerdings kam es 2009-2010 zu einer weitaus größeren Krise. Einerseits zögerten die Investoren aufgrund der Wirtschaftskrise bei der Entwicklung neuer Spiele. Andererseits zahlte sich die Entwicklung von Konsolentiteln kaum noch aus. Man musste schon mindestens 2,5-3 Millionen Stück verkaufen, damit man überhaupt anfangen konnte von Gewinn zu sprechen. Das machte es natürlich schwierig für Sproing und so entschied man sich ins Free2Play-Geschäft einzusteigen. Dieser Schachzug ermöglicht es dem Indie-Studio unter anderem eigene Marken und sich so unabhängiger von den Publishern zu etablieren.
Skyrama sproing bigpoint
Das Ergebnis dieses Schritts ist das anfangs erwähnte Skyrama, welches als voller Erfolg betrachtet werden kann. Jetzt heißt es allerdings den Erfolg des ersten Titels zu wiederholen. Derzeit arbeitet Sproing unter anderem an einem F2P-Spiel für Ubisoft, welches sich vor allem an Hardcore-Spieler richten soll. Man darf gespannt sein, um welchen Titel es sich dabei handelt.

Trotz des Umstiegs entwickelt das Studio auch weiterhin Konsolentitel. Überhaupt konzentriert man sich jetzt darauf, verschiedene Titel gleichzeitig unter mehreren Publishern zu entwicklen. Dadurch sollen Ereignisse wie die vorhin erwähnte Jowood-Misere vermieden werden.

In der anschließenden Frage-/Diskussionsrunde sprach Harald Riegler davon, dass man dafür sorgen sollte, dass jeder Mitarbeiter den Bereich ausübt, worin er am meisten Spaß findet. Ergebnisse bei Designern sind in so einem Fall fliegende Schweine, ertrinkende Badegäste und Krimis als liebliche Animationen in Skyrama :D

Allgemein betrachtet hat man als Programmierer die besten Chancen in ein Unternehmen aufgenommen zu werden. Dies gilt nicht nur für die Spielebranche. Wichtig ist dabei, sich auf ein bis zwei Programmiersprachen zu spezialisieren. Jemand der zahlreiche Sprachen kann, aber keine davon richtig gut, wird es auf jeden Fall schwerer haben.

Harald Riegler arbeitet zur Zeit daran eine Lobby für die Computerspiele- und Computerfilm-Industrie auf die Beine zu stellen. Bei der IG ComputerGrafik Austria ist man daher gerade auf der Suche nach einem/einer Generalsekretär/in.

Spiele sind in Europa inzwischen als Kulturgut anerkannt und können daher reichlich gefördert werden. Das Thema ist speziell für neugegründete Studios interessant und wird in zwei Wochen von der Wirtschaftskammer näher beleuchtet werden. Bei diesem Vortrag werde ich auch wieder dabei sein. Da sich nächste Woche die TU Wien als Ausbildungsstätte vorstellt und ich mich aber bereits in einer solchen befinde, werde ich den Vortrag voraussichtlich auslassen.