Subotron pro gamesIm Wiener Museumquartier findet derzeit eine von SUBOTRON ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe zum Thema Spiele-Entwicklung statt. Im Zuge der SUBOTRON pro games wird in diversen Vorträgen über die Zukunft der Gamedev-Branche in Europa und deren Vernetzung mit der Wirtschaft diskutiert. Darunter fällt unter anderem ein Infoabend der Wirtschaftskammer Wien über Unternehmensgründung und Businessmodelle in der Gamesbranche sowie ein Besuch von Crytek. Weiters stellen sich diverse Spieleschmieden und Ausbildungsstätten, wie etwa Sproing, Greentube und Broken Rules bzw. die Uni Wien, die Technische Universität und die FH Technikum Wien vor.

Der erste Vortrag fand zum Thema „Die Zukunft der Games-Industrie spielt in… Europa!“ statt. Der Vortragende war der Vice President of European Business Development and Event Director der GDC Europe (die Entwicklerkonferenz vor der Gamescom) Frank Sliwka.

Es waren durchaus viele Leute anwesend, ich schätze mal auf so ca. 70-80 Personen. Dies zeigt schon, dass ein durchgehendes Interesse zu dem Thema vorhanden ist.

Das Thema hatte auf jeden Fall potential und es wurden zahlreiche interessante Fakten zur aktuellen Situation in Europa gebracht. Allerdings war die Präsentation für so ein Publikum leider viel zu steif. So empfanden das zumindest meine Studienkollegen und ich. Ein Großteil des Vortrags wurde abgelesen und auf den Folien waren ganze Aufsätze verfasst. Wenn ich da an unsere Präsentations-Professoren denke (maximal 7 Punkte pro Folie, kein Fließtext, nur Stichworte, große Schrift, eine Minute pro Folie), die hätten da einiges zum Aussetzen gehabt ;)

Lockerer wurde es dann bei der anschließenden Diskussions- bzw. Fragerunde bei der auch nochmals interessante Themen aufkamen.

Ich werde versuchen, dass Ganze so gut wie möglich zusammenzufassen:

Zunächst ging es darum, dass sich mit dem neuen Jahrtausend viel beim Geschäftsmodell des Spieleverkaufs geändert hat. Anders wie bei Konsolen oder PCs gibt es nun Onlinespiele mit Abomodellen und Microtransactions. Dazu kommen nun auch das Free2Play-Modell und der Mobile-Markt. Geld verdienen mit F2P, zumindest was Social- und Browsergames anbelangt, ist nur mit einer großen Userzahl möglich. Deshalb ist hier der Umsatz in Vergleich zu MMOGs wesentlich geringer. F2P ist allerdings auf dem Vormarsch. Jedoch zahlt sich ein Startup mit dem F2P-Modell nicht mehr aus, ob das stimmt lass ich mal da so hingestellt.

Weiters wurde dabei auch angemerkt, dass die Onlinekäufe von Spielen wie etwa bei Steam stark zunehmen, die Retailverkäufe in Geschäften aber konstant bleiben, zumindest im deutschsprachigen Raum.

Besonders deutsche, aber im Mobilbereich auch österreichische Firmen haben im letzten Jahr gezeigt, dass es in Europa eine Zukunft für die Gamedev-Branche gibt. Dazu wurden einige große Vertreter wie etwa Bigpoint, Crytek, Blue Byte und Wooga genannt.

Im Laufe des Vortrags wurden auch die diversen Spiele-Messen angesprochen. Darunter fallen die GDC in San Francisco, die E3, die GDC in Köln, die Gamescom und die TokyoGameShow (TGS). Dazu ist zu sagen, dass die Gamescom inzwischen die größte Messe der Welt ist, was natürlich unter anderem auch daran liegt, dass diese öffentlich zugänglich ist. Die GDC Europe, die unmittelbar davor in Köln stattfindet, ist ebenfalls stark am Wachsen. Diese ist vor allem für Entwickler aus Europa gedacht, aber zugleich soll auch eine Brücke nach Nordamerika und in Zukunft auch nach Japan geschlagen werden.

Vor allem an der Gamescom mit ihren ca. 254.000 Besuchern sieht man, dass Videospiele inzwischen ein Massenmedium sind. Die Zahl der Spieler wird auf 1,5 Milliarden geschätzt. Davon 400 Millionen als Coregamer (also die mit Casual nix am Hut haben). So werden ca. 60 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet. 20-25 davon sogar mit Onlinespielen.

Apropos Onlinespiele, die Abozahlen von WoW sind inzwischen rückläufig, weshalb man nun versuchen wird mehr Addons und neue Funktionen im Social-Bereich (Facebook-Verknüpfung, usw.) den Spielern zur Verfügung zu stellen. Meiner Meinung nach wird es aber einfach Zeit für ein komplett neues WoW. Dinge wie Grafik, Technik und Interface werden in 3-4 Jahren noch weniger zeitgemäß erscheinen, als sie es jetzt schon sind.

Aggressive Fördermethoden, z.B. Steuervorteile, wie sie in etwa aus Nordamerika bekannt sind, gibt es in Europa noch nicht. Es gibt zwar einen Verein der Europäischen Union, der für diese Themen zuständig ist, allerdings möchte man aus bisher unbekannten Gründen nicht an die Öffentlichkeit treten. Als Spielerentwickler sollte man daher von selbst bei diversen Institutionen ansuchen, denn es sind durchaus genug davon vorhanden. Im Zuge dessen kann ich auf die Veranstaltung am 22. September verweisen, die sich unter anderem mit dem Thema „Förderungen“ befasst. Wer also in der Nähe von Wien wohnt und daran interessiert ist, sollte da vorbeischauen.

Soweit mein Erinnerungsvermögen reicht, waren dies die wichtigsten Punkte beim Vortrag. Was mir noch nachträglich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wenig bis gar nicht auf Indie-Entwickler eingegangen worden ist. Denn selbst wenn man alles vom wirtschaftlichen Punkt her betrachtet, so kann man Spiele wie Minecraft, Super Meat Boy und Magicka nicht außer Acht lassen.

Jetzt freue ich mich aber bereits auf die Vorstellungsveranstaltungen der österreichischen Entwickler (vielleicht komme ich ja wo unter ;D ) und den Vorträgen von Crytek und der WKO Wien. In diesem Sinne möchte ich noch einmal auf das Programm verweisen.