Subotron pro gamesDen gestrigen SUBOTRON-Abend hatte ich mir im Vorhinein ehrlich gesagt etwas anders vorgestellt. Der Titel der Veranstaltung lautete anfänglich „Infoabend der Wirtschaftskammer Wien zu Unternehmensgründung und Businessmodellen in der Gamesbranche“. Daher dachte ich mir, dass ein Vertreter der WKO Wien einen Vortrag über Förderungen, usw. halten würde. Tatsächlich traf ich auf diese Weise wieder einmal auf den Gründer und Geschäftsführer der Xendex GmbH, Michael Haberl, der die Präsentation sehr interessant zu gestalten verstand. So flossen viele Erfahrungen aus der Praxis in die Veranstaltung ein.

Xendex ist ein auf Mobile Games spezialisiertes Entwicklungs-Studio sowie ein Distributor für Spiele mit Hauptaugenmerk auf Osteuropa und Lateinamerika, die Märkte die sehr oft übersehen werden. Woher ich Michael Haberl bereits kenne? Er hatte vor ein paar Monaten in Projektmanagement bereits einen Gastvortrag vor meiner Klasse in der FH Technikum Wien gehalten und ich konnte noch das ein oder andere Wort mit dem sympatischen Xendex-Gründer nach diesem Vortrag wechseln.

Die Entstehung von Xendex

Herr Haberl berichtete anfangs von seinem Werdegang vom Spieler über Hobby-Entwickler zu Jowood und schließlich zur Gründung von Xendex. Ein witziges Detail am Rande: Xendex beschäftigt sich hauptsächlich mit Handy-Spielen, obwohl dies nicht einmal so geplant war. Dabei hat man bereits mit zahlreichen Publishern zusammen gearbeitet, darunter etwa Bwin, EA, Disney und Red Bull. Zudem ist man, wie eingangs erwähnt, als Distributor tätig. Zu den Spielen und Portierungen von Xendex zählen unter anderem Red Bull X-Fighters, Icy Tower und Yetisports.
SUBOTRON pro games - Gamer als Unternehmer

Der Start einer Spielefirma

Nun ging es mit der Gründungstheorie los. So wurde dem Publikum geraten, sich in diesem Bereich an eine Checkliste zu halten. Diese Liste umfasst alle Gebiete die normalerweise anfangs nicht fehlen sollten:

  • Team
  • Produkte
  • Finanzen
  • Verkauf/Marketing
  • Verwaltung
  • Recht
  • Business-Plan/Idee

Das Hauptaugenmerk sollte laut Herrn Haberl auf Verkauf/Marketing liegen, denn wenn wer sein in Mühe entwickeltes Spiel nicht verkauft, kann eine Karriere als selbstständiges Studio vergessen. Daher sollte ein Studio stets Kontakte zu Publishern und Investoren knüpfen. Zu beachten ist, dass hierbei hauptsächlich von Mobile Games gesprochen wird, aber dennoch diese Punkte ebenfalls für andere Branchen zutreffen dürften.

Xendex konnte anfänglich allerdings nur die Punkte Team und Verwaltung erfüllen und konzentrierte sich zudem auf XBox-Spiele. Nach kurzer Zeit verließ der zuständige Entwickler das Team und stieg daher relativ zufällig mit der Handy-Portierung von Space Invaders in den Markt der Mobile Games ein.

Was ist ein Business-Plan?

Anschließend berichtete der Xendex-Geschäftsführer von der Wichtigkeit eines Business-Plans für Investoren. Diesen verfasste die Firma erst im Jahre 2007 und konnte damit zahlreiche Investoren überzeugen. Folgende Punkte sind in so einem Dokument von Bedeutung:

  • Eine Zusammenfassung aller Punkte
  • Das Unternehmen an sich: Die Beantwortung der einfachen Frage: Was ist die Firma?
  • Das Management: Eine Übersicht über die Hierachie und das Personal des Unternehmens
  • Leistungen/Angebote: Was wird hier produziert? Hier werden Konzept und Geschäftsmodell beschrieben und ob man z.B. seine Spiele selbst verkaufen möchte oder eher mit Publishern zusammenarbeitet. Weiters steht hier, was die Spiele so einzigartig macht und ob man tatsächlich Spiele entwickelt oder „Services“ á la Facebook-Game bietet.
  • Die Marktsituation: Wie verhält sich der Markt und die Konkurrenz? Dieser Punkt beinhaltet unter anderem, ob man sich für Retail, Online, Mobile oder Freemium spezialisiert. Verwendet man eine eigene Engine oder z.B. Unity3D bzw. möchte man vielleicht überhaupt kein Spiel entwickeln, sondern lieber nur eine Engine?
  • Die Planung für die Zukunft der Firma: Dieser Punkt umfasst hauptsächlich den Cashflow des Unternehmens. Was benötige ich an Geld? Ein Tipp von Herrn Haberl: Vorsicht bei Publishern die im Voraus bezahlen! Dabei kann man sich sehr schnell verkalkulieren. In diesem Fall sind Förderungen besser. Diese sind in Österreich sehr großzügig, allerdings auch aufwändig in der Abrechnung.
  • Die Chancen und Risiken: Was passiert wenn mal alles schief geht und wie soll dies verhindert werden?

Zum Punkt „Marktsituation“ referierte Herr Haberl über die Vorkommnisse bei ihnen. So fiel ihm unter anderem auf, dass Netzbetreiber oftmals Probleme mit zu vielen Anfragen von Spielentwicklern zu kämpfen haben. Folglich entschied sich Xendex als Tester und Distributor aufzutreten, einen Service den die Betreiber natürlich sofort herzlich annahmen.

Weiters sei es ein guter Antrieb, wenn man sich bei Spielen denkt: „Das kann ich besser!“. Wenn man solch eine Idee besitzt, sollte man diese auf Messen, bei Terminen und diversen Kontakten anpreisen. Immerhin liegt es im Interesse, dass man sein Konzept an den Mann/Frau bringt.

Zum Abschluss erwähnte Herr Haberl nochmals, dass der Vertrieb eines Spiels extrem wichtig sei und leider oftmals bei manchen Entwicklern komplett außer Acht gelassen wird.

Frage- und Diskussionsrunde

In der darauffolgenden Fragerunde wurde viel über Potential gesprochen und der ein oder andere Tipp für den kleinen Entwickler gegeben.

Ein erfahrener Programmierer ist nicht immer automatisch gut für ein Team. Wenn dieser auf sozialer Ebene mit den Mitarbeitern, der Technologie oder dem Geschäft Probleme hat, kann das in bedeutenden Phasen zur Katastrophe führen. Beispiel: Eine Security-Firma hat die Möglichkeit erhalten, das Unternehmen für mehrere Millionen zu verkaufen. Die einzige Bedingung des Käufers ist, dass eine bestimmte Technologie vorher noch integriert wird. Aus persönlichen Gründen weigert sich der Programmierer des Teams aber diese zu integrieren, weil er meint, dass die Technologie Humbug sei. Auch wenn die eigenen Präferenzen natürlich wichtig sind, würde ich mich an der Stelle wohl für die Millionen entscheiden und die Glaubenskriege beiseite lassen ;)

Ein weiterer Diskussionspunkt war „Android vs iOS vs Java“. Aus geschäftlicher Sicht ist iOS das ertragreichste Mobile-Betriebssystem. Selbst Java-Apps bringen aufgrund ihrer weiten Verbreitung in Osteuropa und Lateinamerika noch deutlich mehr ein, als eine Android-App. Beispiel einer App vom März 2011: €90.000 (Java) vs €13.000 (Android); iOS am meisten, aber geheim. Der Appstore von Apple wird bis auf wenige Ausnahmen von ca. 20 großen Publishern dominiert. Wer hier erfolgreich sein möchte, sollte sich mit solchen in Verbindung setzen.

Sollte man sich tatsächlich für iOS entscheiden, gilt es auch einen PSN-Port zu berücksichtigen. Der Markt dafür ist zwar nicht vergleichbar, aber die Portierung ist einfach und das Dev-Kit ist kostenlos per Anfrage bei Sony zu erhalten. Solange die Spiele gut sind, unbedingt Kontakt zu Sony aufnehmen.

Als Spieler darf man sein Wissen über den Markt nicht überschätzen, denn tatsächlich hat man kaum eine Ahnung vom wirklichen Geschäft. Daher gilt es, stets Kontakt zu Publishern aufzunehmen.

Die Unity3D-Engine ist stark im Kommen und extrem praktisch bzgl. der Portierung. So lassen sich die Spiele quasi per Knopfdruck für fast alle bekannten Plattformen portieren.

Xendex war anfänglich nicht als GmbH geplant. Als Herr Haberl & Co. aber dann Sorgen bezüglich der Haftung für einen Siemens-Auftrag bekam, entschied man sich kurzfristig doch für diese Geschäftsform. Kurz erklärt: Bei einer GmbH haftet man bei Verlusten, Klagen, usw. nicht mit seinem Privatvermögen, benötigt aber ein gewisses Stammkapital zur Gründung (derzeit in Österreich: €35.000, Deutschland: €25.000 oder UG).

Auf die Frage hin, wie man mit dem Audiodesign umgeht, entgegnete Herr Haberl, dass sie diese hauptsächlich in Polen einkaufen, da das „Gedudel“ eines Mobile Games nicht wirklich einen großen Einfluss auf das Spiel hat. Bei Konsolen- und PC-Spielen gilt das natürlich nicht.

Der letzte wichtige Rat des Xendex-Gründers war, bei Fonds nach Investoren zu suchen. Dort wird immer nach guten Investments gesucht. Am leichtesten kommt man als Entwickler über Business-Agents in Kontakt.

Das wars von meiner Seite zum doch sehr Business-lastigen Vortrag. Hoffentlich könnt ihr diese Erfahrungen für euch nutzen. Der nächste Vortrag, bei dem ich wohl anwesend sein werde, wird von Crytek gehalten. Nach wie vor kann ich jedem (potentiellen) Spieleentwickler empfehlen, an der Veranstaltungsreihe im Museumsquartier unbedingt teilzunehmen.