Wie ich heute auf derStandard.at im Artikel „Forscher warnen vor Vorträgen mit PowerPoint-Präsentationen“ zu lesen bekam, haben Studenten der Universität Rostock etwas Interessantes festgestellt: PowerPoint-Präsentationen sind etwas vor dem gewarnt werden muss.

In der Aussendung heißt es, dass es die „schlechteste aller möglichen Varianten ist“ einer Präsentation sind. Angeblich bliebe dem Publikum dadurch sehr wenig im Gedächtnis. Doch kann dies tatsächlich möglich sein?

Hierfür möchte ich einmal offenlegen, dass ich fünf Jahre lang eine Schule mit Hauptschwerpunkt Kommunikation und Präsentation im Bereich Tourismus besucht habe. Im Laufe dieser Zeit habe ich so geschätzte 60-70 Präsentationen selbst gehalten bzw. mir die Vorträge meiner Mitschüler angehört. Eine davon unter anderem bei der mündlichen Reifeprüfung. Hinzu kommt nun noch das letzte Studienjahr auf der Fachhochschule, in welchem ich ebenfalls Unterricht für Präsentationen auf Deutsch und Englisch erhielt.

Ich habe durch die Bank so ziemlich alle Präsentationsmedien einmal getestet, darunter auch mal gar keines verwendet. Das Gelernte möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

  • Nie mehr als sieben Punkte auf eine Folien (Overhead oder PowerPoint)
  • Nur Stichworte, kein Fließtext
  • Große Schrift
  • Eine Minute pro Folie
  • Corporate Identity: Bei einem Design und Schriftbild bleiben
  • Sparsam mit Animationen umgehen, maximal ein Einfliegen-Effekt, hängt aber auch vom Publikum ab
  • Übergangsfolien mit Bild und ohne Text bzw. überhaupt Bilder lockern die Präsentation auf
  • Der Inhalt von rein gesprochenen Vorträgen wird nach drei Stunden ca. zu 30%, nach drei Tagen zu 90% vergessen sein
  • Bei Vorträgen mit einem visuellen Medium betragen diese Zahlen im Durchschnitt 15% bzw. 35%
  • Die non-verbale Rhetorik ist genauso wichtig wie das Gesprochene
  • Wir behalten Botschaften besser, wenn sie attraktiv und sparsam gestaltet sind und wiederholt werden
  • Der visuelle Lerntyp kann die Inhalte mithilfe eines Präsentationsmediums besser verstehen

Ich vermute einmal, dass nicht einmal die Hälfte dieser Punkte von den meisten Personen mit PowerPoint-Präsentationen beachtet wird. Darunter dürfte wohl auch die Studie fallen, wenn ich hier lese, dass „so viele wichtige Informationen verloren“ gehen und die Zahlen und Fakten beim multimedialen Ereignis nur so über den Bildschirm flimmern. Ein Medium soll keine eigene Präsentation halten, sondern nur den Vortragenden unterstützen. Dabei sollte sparsam mit Text und Animationen umgegangen werden. Ein hübsches aber schlichtes Design ist ebenfalls wichtig. Das es einem hier mit den „analogen“ Overhead-Folien leichter fällt, ist selbstverständlich.

Das wäre allerdings so, als wenn ich den PC mit einer Schreibmaschine vergleiche. In Word kann ich auch blinkende Rahmen verwenden und es wird die Lesbarkeit nicht unbedingt fördern.

Ebenso bin ich mir nicht sicher, ob diese Studie repräsentativ ist. Es wird mit keinem Wort erwähnt, ob an zufälligen Personen mit dem gleichen Verhältnis aus verschiedensten Bevölkerungsschichten getestet wurde. Ich vermute eher, dass man hier einfach Studenten der Universität hergenommen hat, die von schlecht gestalteten PowerPoint-Präsentationen, wie sie so oft an manchen Unis zu sehen sind, sowieso die Nase voll haben.

Zum Glück sind auf meiner FH die meisten Lektoren gut im Umgang mit Präsentationen, was aber auch an der Tatsache liegen dürfte, dass es eben eine FH ist. Das merkt man bereits am einheitlichen FH-Design der Folien und natürlich gibt es hier auch zahlreiche Personen aus der Wirtschaft, die schon einmal ein Seminar zu dem Thema besucht haben. Müsste ich mich hier zwischen Präsentationen mit oder ohne PowerPoint entscheiden, würde die Wahl eindeutig auf das „Mit“ fallen. Ich denke, dass meine Studienkollegen das ebenso sehen.