Eine Änderung in der Registry hier und ein anderer Wert bei der Auslagerungsdatei da. Angeblich sollte das System jetzt unvergleichlich schnell sein. Doch irgendwie bemerkt man keinen Unterschied… Egal, wird schon klappen wenns auf so vielen Seiten steht.

Leider liegen die meisten bei letzterem falsch. Der Großteil der Tweaks im Internet ist absolut nutzlos oder erreicht das Gegenteil vom gewünschten Effekt.

Ich habe zwar schon am Anfang des Artikels „Tipps & Tweaks für Windows XP“ auf die vielen Tweak-Mythen hingewiesen, möchte aber das Thema jetzt noch etwas genauer erläutern. Die folgenden Mythen zeigen eine Auswahl der wichtigsten Fehlinformationen.

1. Mythos – Windows XP Dienste deaktivieren :

„Durch das Deaktivieren von einigen nicht benötigten Windows Diensten steigt die Geschwindigkeit enorm.“

Dieser Mythos ist bereits verdächtig, wenn man nach den zu „deaktivierbaren Diensten“ sucht. Jede Seite sagt etwas anderes über Dienste die unbedingt aktiviert bleiben sollten oder deaktivieren werden können. Teilweise finden sich auch welche, die bei einem selber gar nicht existieren.

Das wichtigste jedoch ist, dass das Deaktivieren tatsächlich einen Vorteil bringt. JEDOCH besteht dieser lediglich aus einer minimalen Verkürzung der Bootzeit von Windows. Vereinzelt verlangsamen deaktivierte Dienste auch das System, da diese für das richtige Funktionieren von Windows vonnöten sind. Dieser Mythos ist falsch.

2. Mythos – Die Auslagerungsdatei:

„Der PC läuft schneller wenn man die Auslagerungsdatei deaktiviert.“

Auch das stimmt nicht. Der PC wird nicht schneller. Die Auslagerungsdatei wird immer benötigt. Die Dateien von laufenden Programmen laufen nicht immer alle komplett auf dem Arbeitsspeicher. Viele Dinge werden absichtlich in die Auslagerungsdatei geladen, auch bei Windows selbst. Deshalb besteht die Auslagerungsdatei meistens immer noch nach dem Deaktivieren. Außerdem häufen sich bei einigen Programmen Fehlermeldungen, wenn die Auslagerungsdatei deaktiviert oder zu klein ist.

„Die Auslagerungsdatei sollte die 2,5-fache Größe des Arbeitsspeichers besitzen.“

Dieser Grundsatz stammt aus alten Tagen in denen Systeme mit 128-256 MB RAM üblich waren. Heutzutage braucht kein Mensch eine 5 GB große Auslagerungsdatei bei 2 GB Arbeitsspeicher. Mehr als 2048 MB sind nicht notwendig. Ausnahmen sind natürlich PCs für den Filmschnitt oder für Musiker (zb. QBase). Wer sich nicht sicher ist, lässt am besten Windows die Auslagerungsdatei selbst verwalten.

„Die Auslagerungsdatei muss auf einer eigenen und anderen Partition als Windows sitzen.“

Dies ist teilweise sogar richtig. Wenn man zwei physische Festplatten besitzt und auf der einen Windows installiert hat, dann lohnt es sich die Auslagerungsdatei auf die andere zu verschieben. Sollte jedoch lediglich eine Festplatte eingebaut sein, die einfach nur partioniert ist, dann ist dieser Mythos sinnlos.

„Die Auslagerungsdatei auf eine RAM-Disk zu setzen sorgt für einen unglaublichen Performance-Schub.“

Falsch. Durch eine RAM-Disk lässt sich auf dem Arbeitsspeicher eine Festplattenpartition erstellen. Die Auslagerungsdatei läuft allerdings keinesweg schneller darauf. Im Gegenteil: Es kommt dadurch zu zahlreichen Lesefehlern, die die Performance ausgleichen oder sogar verlangsamen würden.

3. Mythos – Registry Cleaner:

„Registry Cleaner löschen unnötige Registry-Einträge und beschleunigen das System enorm.“

Tatsächlich bringen ein paar Kilobytes weniger keinen vergleichbaren Leistungsunterschied. Was hingegen wirklich etwas bringt, ist das Defragmentieren der Registry. Dafür sollten Programme wie Diskeeper oder PageDefrag verwendet werden.

4. Mythos – Löschen des Prefetch-Ordners:

„Das Löschen des Prefetch-Ordners steigert die Performance enorm.“

Dies ist wohl einer der größten Irrtümer der ganzen Mythen. Dadurch erhöht sich die Startzeit von Programmen und Windows extrem. Die Prefetch-Dateien sind für das richtige Starten von Anwendungen da, in denen Windows diesen Vorgang optimiert. Sollten diese gelöscht werden, muss Windows diese Dateien erst wieder neu erstellen und selbst dann muss das Programm erst mehrmals ausgeführt werden bevor es die maximale Performance erreicht. Es gibt also absolut keinen Grund die Dateien aus dem Prefetch-Ordner zu löschen.

5. Mythos – Registry und System.ini Tweaks:

Kommen wir zu den zahlreichen Registry Tweaks die das System am meisten beeinflussen sollen.

„Always Unload DLL“

Dieser Key hat bei Windows 2000 oder XP absolut keinen Einfluss. Dlls werden bei diesen Betriebssystemen automatisch entladen, wenn sie nach einiger Zeit nicht verwendet worden sind.

„EnablePrefetcher“

„Stellt man einen höheren Wert als 3 ein, steigt die Performance.“

Stimmt nicht. Es gibt vier mögliche Einstellungen für den Prefetcher:

0 = Ausgeschalten
1 = Anwendungs-Prefetcher eingeschalten
2 = Boot-Prefetcher eingeschalten
3 = Anwendungs- und Boot-Prefetcher eingeschalten (Optimal und Standardeinstellung)

Der beste Wert ist bereits automatisch eingestellt. Werte wie 4, 5, 6, usw. werden nicht erkannt und sind somit sinnlos.

„Enable Superfetch“

„Durch das Hinzufügen des Eintrags „EnableSuperfetch“ in der Registry, wird das Superfetch-Feature von Vista in Windows XP aktiviert.“

Einfach nur falsch. Der Superfetch-String ist nicht einmal im Windows-Kernel enthalten. Windows ignoriert daher einfach den Eintrag. Wer will, kann sich mithilfe des String-Utilitys selbst überzeugen.

„Conservative Swapfile“

„Durch das Hinzufügen des Eintrags „ConservativeSwapfileUsage=1″ in der System.ini steigt die Performance.“

Die System.ini-Datei ist nur für die Kompatibilität von 16-Bit Dos-Anwendungen da. Außerdem wird der Eintrag nur unter Windows 95/98 erkannt.

„System.ini [386Enh] IRQ14=4096“

„Das Hinzufügen von IRQ14=4096 in der System.ini erhöht die Performance.“

Nein, tut es nicht. Dieser Eintrag existiert nicht und wie oben bereits erwähnt, ist die System.ini nur für 16-Bit Dos-Anwendungen vorhanden.

„Dr. Watson deaktivieren“

Das Deaktivieren von Dr. Watson über die Registry hat keinerlei Einfluss auf das System. Dr. Watson zeichnet Fehler bei Abstürzen auf und startet auch erst wenn es soweit ist. Davor ist kein Dr. Watson aktiv.

„ClearPageFileAtShutdown“

Dies verlängert die Dauer des Herunterfahrens. Dabei wird die Auslagerungsdatei gelöscht. Dies ist lediglich für Sicherheitsfreaks, die Angst haben, dass jemand ihre Passwörter die sich womöglich in der Auslagerungsdatei befinden könnten, samt Festplatte klaut.

„DisablePagingExecutive“

„DisablePagingExecutive=1 erhöht die Performance, indem das Auslagern des Windows Kernerls verhindert wird.“

Das ist
leider nicht ganz richtig. Es wird alleine die ntoskrnl.exe vor dem Auslagern geschützt. Die viel größere win32k.sys, sowie der System Cache u.a. sind davon unbeeinflusst. Der Unterschied ist daher nicht bemerkbar. Dies hat höchstens beim Debuggen oder bei bestimmten Servern einen Sinn.

„IoPageLockLimit“

„Das Erhöhen „IO Page Lock Limits“ erhöht die Performance enorm.“

Ganz nett. Nur leider gilt dieser Tipp für die Ursprungsversion von Windows 2000. Ab dem Service Pack 1, sowie Windows XP ist dieser Eintrag sinnlos.

„IRQ8Priority“

„Die richtige Registry-Einstellung für die Priorität von IRQs und vor allem von IRQ8 erhöht die Performance.“

Denkste. IRQs funktionieren nicht nach dem Prioritätssystem. Die IRQs sind bereits performancetechnisch optimal eingestellt.

„Large System Cache“

„Das Aktivieren von „LargeSystemCache“ in der Registry erhöht die Performance enorm.“

Diesen Tweak findet man leider sehr oft. Jedoch ist er kompletter Unfug. Diese Einstellung ist nur für File-Server interessant. Bei den restlichen Systemen steht dadurch weniger Arbeitsspeicher zur Verfügung. Außerdem kommt es in Verbindung mit Grafikkarten und -chips zu Abstürzen, Bluescreens, Instabilität, verminderterter Performance und eventueller Unfähigkeit zum Neustart.

„SecondLevelDataCache“

„Das korrekte Einstellen des L2-Caches über den Registry-Wert „SecondLevelDataCache“ steigert die Performance.“

Da dieser Wert nur für „direct-mapped Memory“ von Bedeutung ist, ist dies schon seit dem Pentium 2 nicht mehr möglich. Selbst bei sehr alten PCs kann das richtige Einstellung auch nur einen Performance-Schub von 2% möglich machen.

„Win32PrioritySeparation“

„Das Einstellen des Wertes 26 oder 38 beim Eintrag „Win32PrioritySeparation“ in der Registry gibt einen Performance-Schub.“

Der Wert ist schon standardmäßig und optimalerweise auf 26. Dieser Eintrag ist dasselbe wie „Systemeigenschaften > Erweitert > Systemleistung > Einstellungen > Erweitert > Prozessorzeitplanung“. Für die beste Performance von Programmen sollte dies auf „Programme“ eingestellt sein und entspricht dem Wert 26. Der Wert 38 oder andere Werte werden von Windows nicht erkannt und ignoriert.

Die Liste der unwahren Mythen ist extrem lang und es ist unglaublich, wieviel man davon im Internet als Performance-Tweaks wiederfindet.

Quelle: XPMyths